Ankh, Henkelkreuz
Die ägyptische Überlieferung berichtet von den rituellen Stäben der Macht des ägyptischen Herrschers, der zu einer Erscheinungsform des Falkengottes Horus geworden war, daß sie eine solche magische Kraft besaßen, daß sie für alle anderen tabu waren. Es wird berichtet, daß einmal ein Würdenträger in der Umgebung des Königs versehentlich einen Stab mit dem Fuße berührte. Der König mußte sofort bestimmte Riten vollziehen, um die für den Täter sonst tödlichen Folgen zu bannen.Das berühmte Henkelkreuz, Ankh ist einer dieser Zauberstäbe der ägyptischen Gottkönige. Es ähnelt sicherlich nicht ohne Grund dem Zeichen der Venus. In Ägypten ist es das Zeichen der Göttin Isis, der Gattin des Gottes Osiris. Sie kann sicherlich mit der Venus gleichgestellt werden. Sie verkörpert, wie schon erwähnt, das weibliche Element der Schöpfung, den Shakti-Aspekt. In diesem Sinne ist es gerechtfertigt, Osiris und Isis mit der Shiva-Shakti-Beziehung gleichzusetzen.
Das Henkelkreuz ist eines jener uralten Weisheitssymbole, welches in verschiedenen Darstellungsformen nahezu überall auf der Welt wiedergefunden wird.
Zunächst hatte es nur die Form des Buchstaben T oder Tau, dem dann ein Kreis und später ein Oval aufgesetzt wurde. Wie so viele andere Symbole des alten Glaubens verleibte sich die christliche Kirche auch dieses Zeichen als Sankt Antonius Kreuz ein. Mit diesem Zeichen wurden dann unter Berufung auf den Heiligen Antonius Heilungen vorgenommen. Dies ist ein deutlicher Hinweis darauf, daß das Henkelkreuz auch in unserem Kulturraum bis ins frühe Mittelalter als Zauberstab zur Heilung von Krankheiten im Gebrauch war.
Das Henkelkreuz hat auf der einen Seite in seiner Natur Gemeinsamkeiten mit dem Shiva-Linga. Das Ankh-Symbol ist aber auf der anderen Seite Ausdruck der weiblichen Energie (Shakti); dennoch hat es in seiner Form und Funktion phallischen Charakter und leitet den männlichen Trieb. Es vereinigt somit in sich bereits beide Aspekte: männlich und Weiblich, Shiva und Shakti. Mit dem Attribut des Ankh Zeichens, das für Leben steht, integriert der König also auch den weiblichen Teil der Schöpfung und wird damit erhöht zum Übergott (Mahavishnu). Shiva und Shakti haben sich in ihm vereinigt. Das Henkelkreuz wird somit zum geheimen Zeichen, welches auf den eigentlichen Inhalt und das Ziel der ägyptischen Geheimlehre hinweist: Die Überwindung der Dualität und das Erreichen der Einheit in kosmischem Bewußtsein. 

Ein Biograf jener Zeit schreibt:
Was ist der König von Oberägypten? Er ist ein Gott, durch dessen normative Handlungen man lebt; er ist Vater und Mutter aller Menschen, einzig durch sich, ohne seinesgleichen. Die Monarchen konnten nun Teile dieser Autorität und Gewalt an geeignete Personen weitergeben, indem sie die Summe ihrer Macht in Teilbereichen delegierten. So erhielt der oberste Kriegsführer den Marschallstab, um ihn in die Lage zu versetzen, auch ohne die Gegenwart des Herrschers, Kriege mit der Autorität des Gottkönigs führen zu können. Der Oberpriester erhielt den Priesterstab, um diesen in die Lage zu versetzen, ebenfalls mit dem Gott zu kommunizieren. Der oberste Arzt des Reiches erhielt einen Stab, um die göttliche Fähigkeit des Heilens vom Herrscher zu übernehmen. 

Quelle:  Ulrich Wendlandt, Der Weg der alten Zauberer, Cersken-Kanbaz-Verlag